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  • Mobile Exkursionen – Bildungs-Methode und Testumgebung

    22Feb
    Verfasst von am Dienstag, 22. Februar 2011 | | 5 Kommentare

    Nach zwei durchgeführten mobilen Exkursionen im Rahmen des eVideo-Projekts lässt sich diese Form der Lehrveranstaltung als erfolgreiches Format einordnen. Und zwar nach zwei Seiten: als Bildungs-Methode und als Testumgebung.


    Foto: moriza, by

    Dabei kann die inhaltliche Thematik als weiterer Schwerpunkt gewählt werden: die erste Exkursion hatte Identität 2.0 zum Inhalt und orientierte sich an der Biographie des Berliner Unternehmers August Borsig (1804-1854). Zwei Gruppen waren an zwei Orten unterwegs, die mit dem Lebenslauf von Borsig verbunden sind. Die zweite Exkursion zum Thema Design 2.0 gestaltete sich entlang der 3 Säulen Automobil(ität), Kommunikation, Coworking. Drei Gruppen besuchten Orte, die symbolisch für diese Bereiche stehen.

    Die Befunde und Ergebnisse vor Ort wurden mobil über das Internet kommuniziert, so daß sich die Gruppen gegenseitig informieren konnten und so die Beachtung weiterer Aspekte in‘s Blickfeld geriet.

    Als Bildungs-Methode dient die mobile Exkursion als praktische Erfahrung der Möglichkeiten und Grenzen von mobilen Endgeräten, insbesondere Smartphones. Das Versprechen der Erweiterten Realität (Augmented Reality) verliert sich in verschiedenen Apps, die auf unterschiedlichen Geräten und Betriebssystemen basieren. Dennoch wird der mobile Markt als einer der am stärksten wachsenden Märkte betrachtet. Die Möglichkeiten von Smartphones und mobilem Internet sind offensichtlich mächtig: das Mitteilen von (ortsbezogenen) Echtzeit-Informationen in digitalen Netzwerken, die Möglichkeit, Informationen jederzeit und allerorten im eigenen Social Graph mitzuteilen und zu erhalten. Um davon profitieren zu können, ist Erfahrung im Umgang nicht nur mit den mobilen Endgeräten sondern auch mit den Kommunikations-Strategien in digitalen Netzwerken erforderlich.

    Diese Erfahrung lässt sich bei einer mobilen Exkursion in der Gruppe gemeinsam erarbeiten. Die jeweiligen Aufgaben zu den Themenschwerpunkten bilden den Rahmen der Aktion und Kommunikation. Während die Teilnehmer unterwegs sind, können sie erfahren, was ihre Informations- und Kommunikations-Bedürfnisse sind. Ob und wie diese von den vielfältigen mobilen Devices und Apps erfüllt werden können – welche Versprechen Augmented Reality tatsächlich halten kann.

    Mobile Exkursionen halten Aufgaben bereit, die in einer Kombination aus Real Life Infrastruktur und Smartphone-Nutzung bewältigt werden. Damit können sie neben dem Bildungs-Aspekt auch als Testumgebung für die User Experience von location based services (foursquare, gowalla, brightkite etc.), mobilen Netzwerken (Twitter, Facebook etc.) und Informations-Apps wie Layar dienen. Und werden so interessant für Entwickler-Teams oder Agenturen, die die Entwicklung mobiler Apps anbieten.


    Foto: Espacio CAMON, by-nc-sa

    Der Umgang mit mobilen Endgeräten wird zu den Fertigkeiten der näheren Zukunft gehören: sei es zur Echtzeit-Kommunikation, zur Informationsgewinnung oder um die Idee einer eigenen Anwendung und deren Notwendigkeiten realistisch einschätzen zu können. Die Potenziale mobiler Techniken, die kommunikativen und informativen Bedürfnisse sind so vielfältig – wir stehen am Beginn einer Entwicklung, die unsere bisherigen Kommunikations-Gepflogenheiten nachhaltig prägen und verändern wird. Wie folgende Anekdote aus dem Bereich “Generation Gap“ verdeutlichen mag: das Neujahr 2011 verbrachte ich in Wien in einer vom Alter her durchmischten Gruppe, von 30 bis 75 war alles dabei. Nach dem Anstossen mit Sekt auf das noch junge Jahr und dem Austauschen bester Glückwünsche nach allen Seiten twitterte ich einige Neujahrsgrüße in meine Timeline – und wurde aus der Generation 60+ prompt ermahnt ob meines asozialen Verhaltens. Der Vorwurf lautete auf unhöfliche Ignoranz der Anwesenden durch Beschäftigung mit Gadgets. Tatsächlich hatte sich an meinem Tischende eine Diskussion entwickelt, zu der ich ohnehin nicht beitragen konnte, ich war auch nicht angesprochen. Fängt die Asozialität (wenn man es denn so nennen mag) unter Umständen bereits dort an, wo Anwesende durch die Themen eines Gesprächs ausgeschlossen werden? Ist es “asozial“, ein Gespräch zur Annahme eines Telefonanrufs zu unterbrechen? Für mich war der Vorwurf nur schwer nachvollziehbar – ich habe mich daran gewöhnt, ein virtuelles Netzwerk bei mir zu haben, daß mich 2010 beruflich und persönlich begleitet hat. Wäre es nicht “asozial“, diesen Menschen kein frohes neues Jahr zu wünschen?

    Von den Teilnehmern der bisherigen Exkursionen kam durchweg positives Feedback auf mehreren Ebenen: für die Vielseitigkeit der Aufgaben, die die Themenschwerpunkte des Semesters sinnvoll ergänzten bis zum Testen der Apps unter realen Bedingungen. Nebeneffekte waren Entäuschungen über die nach wie vor schwierig einzurichtende und zu benutzende mobile Infrastruktur – angefangen beim Endgerät mit mobilem Datentarif, dem Einrichten von Accounts bis zur Bedienbarkeit von Betriebssystemen und Apps. Aber auch Spaß an den Möglichkeiten, die diese virtuelle Welt enthält, neugieriges Ausprobieren, Zufriedenheit über das, was sich in einigen Stunden gesammelt hat und im exkurionsbegleitenden Blog hinterlegt wurde.


    Über den/die Autor/in

    ist seit April 2011 Frontend-Entwicklerin bei einer Berliner Agentur und war als Informations-Architektin für das Berliner Exzellenzcluster Topoi tätig. Nach philologischen, ethnologischen und kulturwissenschaftlichen Studien in Hessen und Norddeutschland, Radkurierfahrerei in Bremen und einer Ausbildung im Multimedia-Bereich in Berlin ist sie seit 2006 selbständig. Schwerpunkte: Informationsarchitektur, Webprogrammierung und digitale Geisteswissenschaften. Ausserdem schreibt sie derzeit ein Buch über CSS - Best Practice und Wartbarkeit.

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