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  • Nachgefragt beim EduCamp

    09Sep
    Verfasst von am Freitag, 9. September 2011 | | Kommentieren

    Communities entstehen immer öfter in unterschiedlichen Bereichen zu ganz verschiedenen Themen. Auf der Suche nach einer Antwort, was Menschen in Communities treibt, haben wir bei Thomas Bernhardt nachgefragt, der sich beim EduCamp engagiert.

    Was ist das EduCamp?
    Das EduCamp ist ein themenspezifisches BarCamp zum Themenfeld Lehren und Lernen mit digitalen Medien. Als Barcamp – auch Unkonferenz genannt – bezeichnet man ein Veranstaltungsformat, das sich von klassischen Konferenzen mit vorab feststehender Tagesordnung abgrenzt. Zu Beginn eines EduCamp wird diese von den Teilnehmenden gemeinsam festgelegt, die sich anschließend in offener Atmosphäre über die Themen austauschen. Ziel der halbjährlich stattfindenden EduCamps ist damit insbesondere die Förderung des Austauschens zu aktuellen Themen und die Anregung zur Kooperation für neue Projekte.

    Was meinen Sie: Kann man Ihre “Initiative” als Community oder als Community of Practice bezeichnen?
    Ich würde die EduCamps als CoP bezeichnen.

    Falls ja, welche Kriterien der “Initiative“ sprechen aus Ihrer persönlichen Sicht für die Bezeichnung als Community of Practice?
    Bereits vor einem EduCamp kann man anhand der regen Diskussionen in den dafür bereitstehenden Foren erkennen, welches Engagement die einzelnen Mitglieder mitbringen, gemeinsame Themen und Projekte voranzutreiben. Die Mitglieder zeichnen sich außerdem durch ähnliche Aufgaben und Herausforderungen aus. Gemeinsam arbeiten sie an Lösungen, wie Bildung einer zunehmenden Digitalisierung gegenüberstehen sollte.

    Würden Sie sagen, Ihre “Initiative” bedient ein gewisses Community-Bedürfnis der aktiven oder auch weniger aktiven “Mitglieder”?
    Ich glaube schon. Wir haben einen Kern an Aktiven, die versuchen auf jedem EduCamp präsent zu sein, dort Beiträge zu leisten und versuchen darüberhinaus durch die Ausrichtung eines eigenen EduCamp der Community etwas zurückzugeben. Aber auch die weniger Aktiven fühlen sich aufgehoben und können sich so einbringen wie sie das für nötig halten.

    Worin besteht Ihr spezielles Erfolgsgeheimnis? Was glauben Sie, ist Ihre spezielle “Rezeptur”?
    Im April 2008 fand das erste EduCamp statt. Seit dem erfreut sich das EduCamp gleichbleibender Begeisterung, so dass im Abstand von 6 Monaten stets aus der Community heraus ein weiteres EduCamp organisiert wurde. Worin dieser Erfolg – wenn man das so bezeichnen kann – besteht, ist schwer zu sagen. Meiner Meinung nach ist das Thema noch so aktuell und das Veranstaltungsformat so passend, dass die Nachfrage danach einfach weiter existiert.

    Können Sie einige Faktoren nennen, die dazu führen, dass Ihre Mitglieder/TeilnehmerInnen aktiv an der “Community” mitwirken?
    Ich denke, ein wichtiger Faktor ist hierbei Transparenz und die Möglichkeit zur Teilhabe. Im Vorfeld der EduCamps findet daher z. B. eine offene Kommunikation über den Veranstaltungsort statt. Auch die Themen können vorab diskutiert und selbst bestimmt werden. Außerdem ist die regelmäßige Ansprache wichtig, um ein Zugehörigkeitsgefühl aufrecht zu halten.

    Welche Faktoren treiben Ihre “Community” immer weiter voran?
    Hier ist es wahrscheinlich die Kontinuität der EduCamps selber, die die Community “am Leben erhält”.

    Gibt es in Ihrer Community bestimmte Initiatoren oder Mitglieder, die sich besonders engagieren, die bestimmte Rollen übernehmen oder Aufgaben ausführen, damit die Community lebendig bleibt?
    Ja, klar. Ich sprach den “harten Kern” bereits an, der sich nicht nur durch regelmäßige Teilnahme sondern auch durch die Unterstützung und Ausrichtung des EduCamp auszeichnet.

    Wieviele Leute sind das schätzungsweise?
    Wie in jeder Community gibt es eine kleine Gruppe an richtig Aktiven. Auch bei den EduCamps gibt es einen festen Kern von 15 – 20 Personen, die auch regelmäßig an den Veranstaltungen selbst teilnehmen. Aus dieser Gruppe hat sich Anfang des Jahres ein Verein gegründet, der nun das Rückgrat der Veranstaltungsreihe und der Community bildet.

    Welche Eigenschaften dieser Personen sind besonders wichtig für die Aktivität in der “Community”?
    Freiwillig ein gemeinsames Ziel verfolgen und damit Engagement für die gemeinsame Sache.

    Braucht es aus Ihrer Sicht unterschiedliche RollenträgerInnen, um eine “Community” wie die Ihre erfolgreich zu gestalten?
    Meiner Meinung nach nicht zwangsläufig. Aber es hat sich gezeigt, dass zentrale Ansprechpartner schon wichtig sind.

    Welche Maßnahmen und Aktivitäten sind aus Ihrer persönlichen Sicht entscheidend, damit eine längerfristige Community entsteht und die Mitglieder gemeinsam aktiv bleiben?
    Die Regelmäßigkeit an Aktivität. In unserem Fall die halbjährlich stattfindenden EduCamps. Sie beleben jedes Mal die Aktivität der Community. Auch ein Zuwachs an Mitgliedern ist dann stets zu verzeichnen.

    Was machen Sie, um die Community aufrechtzuerhalten? Wie hoch ist Ihr individueller Einsatz?
    Ich persönlich versuche immer wieder Freiwillige zu finden, die EduCamps bei sich vor Ort organisieren. Als Vereinsvorstand unterstütze ich diese Personen dann in allen Fragen zur Organisation. Da ich auch selbst bereits EduCamps organisiert habe, reicht mein Engagement von ein paar Mal pro Monat bis täglich.

    Welche Tipps würden Sie anderen geben, die sich für eine erfolgreiche Community-Arbeit einsetzen möchten (weniger instrumentell als aus persönlichem Antrieb – z. B. weil sie ein besonderes Interesse an einem Thema haben)?
    Einfach tun. Community gründen und dazu einladen. Wenn sich genügend Freiwillige finden und es ein für alle erstrebenswertes Gemeinsames Interesse gibt, wird die Community auch funktionieren.


    Über den/die Autor/in

    beschäftigt sich mit neuen Vernetzungs- und Organisationsformen der kreativen Klasse in- und außerhalb des Social Webs, welchen Einfluss diese Entwicklungen auf eine moderne Unternehmenskommunikation und Corporate Identity ausüben und welche Bedeutung online-basiertem Lernen aufgrund dessen zukommt.

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