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  • Zukunft 2.0

    13Jul
    Verfasst von am Montag, 13. Juli 2009 | | Kommentieren

    Wie bereits angekündigt, sprachen wir heute mit Martin Lindner zum Thema: “Zukunft 2.0″. Bei der Vorbereitung fiel uns auf, dass eigentlich alle gesellschaftlichen Bereiche einen Wandel durchlaufen. Ãœberall ersetzen zunehmend informelle Strukturen die klassischen formalen. Um das Thema annähernd zu besprechen, einigten wir uns auf 3 Themenfelder, anhand derer wir exemplarisch den Wandel diskutierten. Ziel war es, den Kurs-Telnehmer/innen vielfältige Denkanstöße zu geben, wie die Welt von morgen eventuell aussehen könnte – vor dem Hintergrund der gegenwärtig  beobachtbaren Entwicklungen.

    Martin führte die 3 Themen inhaltlich ein, während ich mich auf einige Linkempfehlungen reduzierte. Hier die Einstiegslektüre, entlang derer wir uns durch den informellen Parcours entlang hangelten.

    Wandel des Bildungssystems

    “Es ist sinnlos, gegen die Realität anzukämpfen, um etwas zu verändern. Du musst ein Modell bauen, das das bestehende Modell überflüssig macht.” (Buckminster Fuller)  Das Web, so scheint es, liefert das Baumaterial für den dringend benötigten Bypass für das versteinerte Herz des Bildungssystems.

    Der Preis für Abschlüsse & Zertifikate steigt immer höher, gemessen in Geld & Lebenszeit, während der Kurswert rapide fällt. Das Bildungssystem wird immer weiter formalisiert und verschult. Eine einschneidende Reform ist unrealistisch.

    So weit, so schlecht. Aber währenddessen entstehen im Web bisher undenkbare Alternativen: Das relevante Wissen, das sich ohnehin permanent erneuert, wird dort direkt verfügbar.  Direkter Kontakt zu den besten Lehrern und Experten wird möglich. Gruppen von LernerInnen können sich vernetzen und selbst organisieren. Diese Möglichkeiten sind bislang noch kaum begriffen und noch nicht ansatzweise genutzt.  Aber diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten.

    OER, Bildung Hacken, Connectivism

    Neue Organisation des Sozialwesens

    Das Web verändert alles, womit es in Berührung kommt. Insbesondere alle geschlossenen Strukturen, die auf Verknappung von Information und auf Abschottung gegen Kommunikationsprozesse von unten beruhen. Das wird Folgen für Politik und Exekutive haben: Einen Vorgeschmack boten der Sturz Edmund Stoibers und der Fall der CSU sowie die aktuellen Kampagne für digitale Bürgerrechte (gegen Kinderporno-Websperren und Vorratdatenspeicherung).

    In Großbritannien hat sich eine Initiative mit demTitel “Reboot Britain” formiert, die die Krise nutzen will, um mit Web-Kulturtechniken die auch dort versteinerten Strukturen der Parteiendemokratie und des Lobbyismus aufzubrechen. Welche Chance sich für ein entsprechendes Projekt  “Deutschland neustarten” eröffnet, wäre zu diskutieren. Auch hier sind wir erst ganz am Anfang.

    Politik & Verwaltung

    Klassische Medien werden überflüssig

    Viel schneller als von der deutschen Vertretern der Alten Medien erwartet  ist auch hier das seit ca.40 Jahren eingefahrene System von “Glotze und Bild” (Altbundeskanzler Schröder) bzw. Spiegel, bürgerliche Zegen und Tagesschau ins Wanken geraten.

    Digitale Medien haben schwerwiegende Konsequenzen für die Alten Medien:

    • Es gibt keine Notwendigkeit mehr, Inhalte zentral zu redigieren und umständlich und teuer an ein Massenpublikum zu verteilen.
    • Die Informationen lösen sich von den physisch-materiellen Trägern, d.h.sie sie werden kopierbar und zirkulieren mit nie dagewesener Geschwindigkeit.
    • Das alte Geschäftsmodell, das mit klassischer Werbung und im Fall von Zeitungen auch mit Kleinanzeigen “Qualitätsjournalismus” finanzierte, funktioniert nicht mehr.
    • Und auch der althergebrachte “Qualitätsjournalismus” selbst wirkt im Vergleich zur Konkurrenz des Web immer schwerfälliger und fadenscheiniger.

    Dagegen wird vor allem eingewandt, dass das eine wesentliche Säule unserer Nachkriegs-Demokratie gefährdet. Das ist wahr, aber einen Weg zurück gibt es nicht. Wie ein neues Gleichgewicht aus digitalisierten Medien, öffentlicher Meinungsbildung und demokratischer Kontrolle/Kritik aussehen wird, ob es ein solches überhaupt geben wird … Das ist schon wieder eine offene Frage.

    Zeitungen, TV & Musik


    Über den/die Autor/in

    arbeitet für und im eVideo-Netzwerk. Sie versteht sich selbst als Kreative im Bereich “Networked User Experience Design”. Der thematische Fokus liegt auf der interdisziplinären Erforschung moderner Informationsumgebungen & Lernszenarien – besonders unter Berücksichtigung interaktiver und bildungspolitischer Aspekte.

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